Ländervergleich · Analyse

Österreich, Schweiz und Liechtenstein im Vergleich

Drei Nachbarn, drei Wege: Österreich mit EU-Aufbaumitteln und neuem Cluster, die Schweiz mit nationaler Initiative und später EU-Assoziierung, Liechtenstein ohne belegte Quantenpolitik. Ein Vergleich nur belegter Zeitpunkte, Zusagen und Strukturen mit kritischer Einordnung.

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Von Redaktion AQC.at · erstveröffentlicht am

Thema: Ländervergleich

Einleitung

Österreich, die Schweiz und Liechtenstein liegen nebeneinander, stehen aber in unterschiedlichem Verhältnis zur EU und haben unterschiedliche Quantenpolitik. Der Vergleich stellt nur Belegtes gegenüber: Zeitpunkte, Zusagen mit Art und Datum, Strukturen und EU-Anbindung. Wertende Aussagen sind als „Einschätzung der Redaktion“ gekennzeichnet. AQC.at ist ein unabhängiges Informationsportal der COPS GmbH und mit keiner der genannten Stellen verbunden.

Quellenbasis und Grenzen

Die Angaben zu Österreich stammen aus den bereits für AQC.at ausgewerteten Primärquellen (FFG, Bundeskanzleramt, BMWET, FORWIT, Statistik Austria), jene zur Schweiz von SBFI, SQI, SNF und Bundesamt für Statistik, jene zu Liechtenstein aus dem Regierungsprogramm und Listen der EU-Kommission. Die Einwohnerzahl Liechtensteins war nicht abrufbar, deshalb gibt es dafür keine Pro-Kopf-Werte. Währungen (EUR, CHF), Laufzeiten und Art der Beträge unterscheiden sich; es wurde nicht umgerechnet, weil kein Wechselkurs als Quelle vorliegt.

Vergleichstabelle

Merkmal

Österreich

Schweiz

Liechtenstein

Einwohner

9 215 956 (1.1.2026)(Statistik Austria, 2026)

9 127 100 (31.12.2025)(Bundesamt für Statistik, 2026)

nicht belegt

Nationale Initiative

Quantum Austria: Ankündigung 21.6.2021, Einreichungen ab 26.11.2021(Bundeskanzleramt, 2021; Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, o. J.-b)

Swiss Quantum Initiative: Bundesratsbeschluss 4.5.2022(Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, 2025a)

öffentlich nicht belegt

Mittelrahmen

107 Mio. EUR aus dem EU-Aufbauplan; 103,86 Mio. EUR bewilligt (31.12.2025)(Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft und FWF Österreichischer Wissenschaftsfonds, o. J.)

höchstens 82,1 Mio. CHF für 2025–2028, Budgets jährlich vorbehalten(Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, 2025a)

öffentlich nicht belegt

Jüngste Zusage

Austrian Quantum Cluster: 30 Mio. EUR (FORWIT-Empfehlung 25.6.2026, BMWET-Meldung 9.7.2026)(Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, 2026; Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung, 2026)

Swiss Quantum Call 2026: geschätzt 16 Mio. CHF, Entscheid Dezember 2026(Akademie der Naturwissenschaften Schweiz, 2026b)

nicht belegt

Träger

FFG und FWF, beim Cluster auch aws und CDG(Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, 2026)

SCNAT mit Quantenkommission, SNF, Innosuisse(Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, o. J.-b)

nicht belegt

Strategie

Industriestrategie 2035 mit Quantentechnologie und Photonik(Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, o. J.-b)

Swiss Quantum Strategy, Empfehlung 3.3.2026(Akademie der Naturwissenschaften Schweiz, 2026a)

Regierungsprogramm ohne Quantenbezug(Regierung des Fürstentums Liechtenstein, o. J.)

Horizon Europe

EU-Mitgliedstaat(Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, o. J.-a)

assoziiert, rückwirkend ab 1.1.2025(Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, o. J.-a)

keine Assoziierung beabsichtigt(Europäische Kommission, 2026)

Quantenkommunikation

QCI-CAT, 5 Mio. EUR nationale Kofinanzierung(Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, o. J.-a)

Geneva Quantum Network, 262 km, Start 14.10.2025(Université de Genève, 2025)

nicht belegt

EuroHPC

Mitglied(EuroHPC Joint Undertaking, o. J.)

Mitglied(EuroHPC Joint Undertaking, o. J.)

nicht in der Liste(EuroHPC Joint Undertaking, o. J.)

Zeitpunkte und Strukturen

Österreich kündigte Bundesmittel für Quantenforschung im Juni 2021 an, die Schweiz fasste ihren Beschluss im Mai 2022. Die Finanzierungslogik unterscheidet sich: Quantum Austria wurde aus dem EU-Aufbauplan finanziert und 2021 bis 2026 umgesetzt(Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft und FWF Österreichischer Wissenschaftsfonds, o. J.), die Schweizer Mittel folgen der vierjährigen BFI-Periode und werden jährlich budgetiert(Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, 2025a). In der Schweiz entwickelt eine Expertenkommission der Akademie die Strategie, die Förderung läuft über SNF und Innosuisse; in Österreich nennt das BMWET für den Cluster lediglich die Zusammenarbeit von aws, FFG, CDG und FWF(Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, 2026).

Forschungsstrukturen

In Österreich bündelt der FWF-Exzellenzcluster Quantum Science Austria nach Angaben der Universität Innsbruck über 60 Forschungsgruppen an vier Standorten (Innsbruck, Wien, Linz, Klosterneuburg)(Universität Innsbruck, 2023). In der Schweiz spricht die Quantenkommission von über 200 Forschungsgruppen im Land(Akademie der Naturwissenschaften Schweiz, 2026a), das ETH Quantum Center führt 43 Gruppen und über 600 Forschende auf(ETH Zürich, o. J.). Die Zählweisen unterscheiden sich (Cluster, Land, Hochschulzentrum); die Zahlen eignen sich daher nicht für eine Rangfolge. Für Liechtenstein ist keine Quantenforschungsgruppe belegt.

Mittel im Verhältnis (eigene Berechnung)

Die Bevölkerungen sind fast gleich groß (9,13 gegenüber 9,22 Millionen). Der Schweizer Bundesrahmen von 82,1 Mio. CHF ergibt geteilt durch 9 127 100 rund 9,00 CHF je Einwohner für vier Jahre, etwa 2,25 CHF jährlich. Die österreichischen 107 Mio. EUR ergeben geteilt durch 9 215 956 rund 11,61 EUR je Einwohner über die Laufzeit 2021–2026; bewilligt waren 103,86 Mio. EUR (11,27 EUR), die empfohlenen 30 Mio. EUR für den Cluster entsprechen 3,26 EUR. Diese Werte sind nicht vergleichbar: Währungen und Zeiträume (vier gegenüber sechs Jahren) unterscheiden sich, und die Schweizer Zahl ist ein Höchstbetrag, die österreichische eine Bereitstellung. Zudem weist die Schweizer SQI-Aufstellung weder die NCCR-Förderung (20,4 Mio. CHF in Phase 2)(Universität Basel, Departement Physik, o. J.) noch die 32 Mio. CHF der ETH für den Hub(Paul Scherrer Institut (PSI), 2021) aus. Eine Rangfolge lässt sich daraus nicht ableiten.

EU-Anbindung

Österreich unterzeichnete die EU-Quantenerklärung nach Angaben des BMWET im Jahr 2024(Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, o. J.-a). Die Schweiz war 2021–2024 bei Horizon Europe nicht assoziiert und überbrückte dies national; seit dem Abkommen vom 10. November 2025 ist sie rückwirkend assoziiert, benötigt für strategische Bereiche wie Quanten aber eine Validierung, die sie am 12. Dezember 2025 abschloss(Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, 2025b). Liechtenstein nimmt am Programm Digitales Europa teil(Europäische Kommission, 2025) und ist nicht an Horizon Europe assoziiert(Europäische Kommission, 2026).

Kritische Einordnung

Belegte Fakten. In Österreich nannte der Stiftungsrat am 25.6.2026 für 2026 insgesamt 75 Mio. EUR, ohne einen Betrag für den Cluster auszuweisen(Bundesministerien BMFWF, BMWET und BMIMI, 2026); der FORWIT verzeichnete ein Antragsvolumen von knapp 133 Mio. EUR bei „stark reduzierten“ Mitteln und empfahl 30 Mio. EUR für den Cluster(Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung, 2026). Der Abschlussbericht von Quantum Austria ist laut Jahresbericht für 2026 angekündigt(Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft und FWF Österreichischer Wissenschaftsfonds, o. J.). In der Schweiz liegen 73,6 Prozent der SQI-Mittel in den Jahren 2027 und 2028 (eigene Berechnung nach (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, 2025a)), und der SNF-Call 2026 steht unter dem Vorbehalt des Entlastungspakets(Schweizerischer Nationalfonds (SNF), o. J.).

Einschätzung der Redaktion. Beide Länder zeigen ein ähnliches Muster: Ankündigungen und Empfehlungen sind früher und größer als verbindlich ausgewiesene Mittel, und der Haushaltsdruck wirkt sich auf Ausschreibungen aus. Die Schweiz veröffentlicht ihre Mittelaufteilung nach Kategorien und Jahren detaillierter, als es für den österreichischen Cluster in den abgerufenen Quellen der Fall ist. Dafür hat Österreich als EU-Mitglied keine Assoziierungslücke zu überbrücken. Das Fehlen belegter Liechtensteiner Quantenpolitik ist kein Defizit an sich, sondern entspricht der im Regierungsprogramm beschriebenen Beobachtungshaltung.

Fazit

Österreich und die Schweiz gehen unterschiedliche Wege mit unterschiedlicher Verbindlichkeit der Mittel; die Beträge sind nicht direkt vergleichbar. Für Liechtenstein sind nur EU-Anbindung und Nichtbefassung belegt. Ein belastbares Urteil, wer „besser“ aufgestellt ist, geben die vorliegenden Quellen nicht her.

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Quellen und Literatur

So zitieren Sie diesen Beitrag

Redaktion AQC.at. (2026, November 1). Österreich, Schweiz und Liechtenstein im Vergleich. AQC.at. https://aqc.at/aktuelles/oesterreich-schweiz-liechtenstein-quantenpolitik-vergleich (externe Seite, öffnet in neuem Tab)

Zitierstil: APA, 7. Auflage. Der Stil gilt einheitlich für alle Quellenangaben auf AQC.at.

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